Autor: Rainer Reißmann;
Erstellt: 22. August 2011 04:16 ; zuletzt bearbeitet: 22. August 2011 04:24
Richter,Knospe,Eiberle,Zangrando
Ihre Teilnahme an den Deutschen Senioren-Beach-Meisterschaften 2011 wurde für die Engelsdorfer Senioren tatsächlich zum erwarteten Höhepunkt ihres mittlerweile jahrzehntelang betriebenen Volleyballhobbys. Während das Duo Ivo Eiberle/Jan Zangrando einen phantastischen 5.Platz erkämpfte, erreichte Thomas Knospe mit seinem Krostitzer Partner Tino Richter am Ende Rang 11.
„Bei keinem unserer bisher gespielten Turniere haben wir eine solche Leistung abrufen können wie an diesem Wochenende in Berlin", resümierte der glückliche, von den Spielen allerdings stark gezeichnete Viertelfinalist Ivo Eiberle nach dem sonntäglichen Turnieraus gegen die späteren Bronzemedaillengewinner. Ihren größten Coup hatte das Team Eiberle/Zangrando zu später Stunde am Vorabend gelandet, als es mit einer grandiosen Leistung den amtierenden deutschen Ü 41-Vizemeister in einem Dreisatzkrimi aus dem Turnier gekegelt hatte. Damit waren die beiden Engelsdorfer diejenigen, die am Samstagabend das letzte, aber auch am Morgen Punkt 10 Uhr das erste Spiel des Tages zu bestreiten hatten. Diese Auftaktbegegnung ging für sie allerdings gleich in die Hosen. Gegen Porath/Wiesel, die späteren Finalisten im Spiel um Platz 3, fanden die beiden Engelsdorfer erst in ihr Meisterschafts-Premierenspiel, als dieses schon zu ihren Ungunsten vorentschieden war (8:15, 10:15).
Da sich nur die beiden ersten Teams der 4 Vierer-Vorrundengruppen für die Spiele um die Plätze 1-8 qualifizieren würden, standen Eiberle/Zangrando nun mächtig unter Druck. Eine weitere Niederlage hätte sie nur noch um die Plätze 9 bis 16 spielen lassen. Wie schon so häufig in dieser Beachsaison schien diese enge Situation den beiden Wettkampftypen (Motivations-)Flügel zu verleihen. Mit jeweils taktischen Meisterleistungen konnten im Laufe des ersten Wettkampftages sowohl der bayerische Vizemeister (15:6, 15:9) als auch der Schleswig-Holsteins (15:6, 15:8) besiegt und damit die erhoffte Qualifikation für die Gewinnerrunde geschafft werden.
Hier wartete allerdings mit Masurek/Schulz der amtierende deutsche Meister auf die Randleipziger. Die beiden Berliner verdienen sich nicht nur als Beachtrainer ihr tägliches Brot, sondern waren in früheren Jahren auf der nationalen Tour mehrfach Finalgegner des damals die deutsche Beachszene beherrschenden Duos Ahmann/Hager. Die deutliche Niederlage gegen den alten und neuen deutschen Champion (10:21, 14:21) hinterließ bei den Engelsdorfern aber weder physische noch psychische Blessuren, sollten sie sich doch an diesem Tag noch zu ihrer bislang größten Beach-Leistung aufraffen können.
Lenz/Schönauer, in dieser Saison bereits mehrfache Turniersieger und als amtierender deutscher Vizemeister zum engsten Favoritenkreis gehörend, wurden nämlich von Eiberle/Zangrando im ersten Satz des Achtelfinales nahezu schwindlig gespielt (15:21). Erst zu Beginn des zweiten Durchgangs hatten die Berliner ein Mittel gegen das clevere Spiel der Gegenseite gefunden und konnten nun ihrerseits erfolgreich kontern (21:12). Der 3. Satz, bis zum 12:12 auf Augenhöhe umkämpft, sollte die Entscheidung bringen. Eine Entscheidung, die von den Engelsdorfern lange vorbereitet worden war. Von Beginn des Spieles an hatten sie mit ihren Aktionen immer wieder Karsten Lenz gesucht, der mit zunehmender Spieldauer diesem „Dauerbeschuss" kräftemäßig Tribut zollen musste. Vor dem 13. Punkt konnten die Engelsdorfer dessen Angriff so entschärfen, dass ein erfolgreicher Gegenangriff möglich wurde. Der 14. Punkt war Ergebnis eines gut gestellten Linienblockes, an dem vorbei Karsten Lenz ins Seitenaus schlug. Und der Matchball schließlich sollte ein brachialer Angriffsschlag über die Mittelblockerposition sein, den der Favorit nicht mehr unter Kontrolle bekam und damit die Segel streichen musste.
Ein Engelsdorfer Urschrei der Freude ließ nach diesem Husarenritt die 35 Beachfelder umfassende Anlage in Berlin-Mitte erschüttern. Und wenn man den nach ihrem Triumph ins Quartier kriechenden Siegern in die Augen sah, konnte man deren Stolz über das Geleistete erkennen. Doch die eigentliche Herausforderung des Abends stand ihnen noch bevor. „Die Treppen in die sich in der 4. Etage befindenden Unterkunft stellten für uns ein kaum zu überwindendes Hindernis dar", berichtete Ivo Eiberle am Sonntag, der für die Engelsdorfer im Viertelfinalspiel gegen Kerlin/Schmidinghoff, die westdeutschen Vizemeister, das erwartete Turnierende brachte. Die Düsseldorfer wurden ihrer Favoritenrolle in allen Belangen gerecht und nutzten das Spiel (21:9, 21:10), um sich für ihr Halbfinale gegen Masurek/Schulz auf Touren zu bringen. Dieses verloren sie dann knapp in 3 Sätzen, sicherten sich aber im kleinen Finale gegen die Sieger der Engelsdorfer Vorrundengruppe Porath/Wiesel zumindest die Bronzemedaille.
Für Eiberle/Zangrando war dieser 5. Platz viel mehr, als sie im Vorfeld der Meisterschaft erwartet hatten. Ziel der beiden war es zu Saisonbeginn, sich für diese Meisterschaften zu qualifizieren. Da das Teilnehmerfeld auf 16 Mannschaften beschränkt war, mussten viele Ranglistenpunkte gesammelt werden, um dabei sein zu können. Insgesamt 5 Turniere, darunter 2 Landesmeisterschaften, spielten die beiden gemeinsam, zwei weitere Ivo Eiberle mit einem anderen Partner, um fleißig Punkte zu sammeln. Am Ende waren es so viele (530), dass sich das Duo topgesetzt für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert hatte. Hier war es angesichts der namhaften Konkurrenz das erklärte Ziel, nicht als Letzter die Heimreise antreten zu müssen. Dass beide allerdings auf das Erreichen der Runde der besten 8 gehofft hatten, hatte einer dem anderen verschwiegen. Dass der Weg des Teams letztlich bis ins Viertelfinale führte, war für das Duo wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen. Stolz wie Oscar traten die beiden am Sonntagnachmittag die Heimreise an.
Knospe/Richter, die bei den Ü35-Jährigen ebenfalls von Platz 1 der Setzliste aus gestartet waren, kamen am Samstag erst spät in Schwung. Anlass dafür war sicherlich die unnötige Dreisatz-Auftaktniederlage, nachdem man den Gegner im ersten Durchgang klar beherrscht hatte (15:5). Das dabei verlorengegangene Selbstvertrauen fand das Duo erst in den Platzierungsspielen wieder, in denen man am Ende zwei Siege und damit Platz 11 feiern durfte. Die zweite „Engelsdorf/Krostitz-Paarung", Stefan Breidung/Thomas Patze, die mit dem olympischen Gedanken, dass die Teilnahme alles sei, gestartet war, hatte erwartungsgemäß mit den einstelligen Abschlussplätzen nichts zu tun.
Für viele der Teilnehmer wird das Erlebnis „Deutsche Meisterschaft" sicherlich mit zahlreichen positiven Erinnerungen im Gedächtnis bleiben. Der eine wird die sportlichen abspeichern, der andere die an die nächtliche Beachparty.
Dass es der DVV nicht geschafft hat, die guten spielerischen Leistungen der Aktiven zu honorieren, und wenn es nur Urkunden für die Plätze 4 bis 16 gewesen wären oder beispielsweise Erinnerungsshirts an diese Veranstaltung, ist einer Deutschen Meisterschaft, und sei es auch „nur" eine der Senioren, nicht würdig. Diese kritische Randnotiz muss sein, bei allem Bemühen der Ausrichter, dieser Veranstaltung den richtigen Rahmen zu geben.